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Lateinamerikanische Tänze – über die Musik und Charakteristik


Bei diesen Tänzen ist die Bandbreite der geeigneten Musik noch größer als bei den Standardtänzen. Neben den Liedern aus den namensgebenden lateinamerikanischen Musikrichtungen erstreckt sich die Auswahl noch stärker auf Pop- und Rockmusik. Auch hier gilt für A-live: durch eine gute Mischung aus "klassischer" Tanzmusik und zeitgenössischen Songs wird ein Tanzabend erst richtig interessant!

In den folgenden Kapiteln widme ich mich den fünf lateinamerikanischen Tänzen:


Cha-Cha-Cha

Dieser Tanz ist zwischen 1948 und 1955 in Kuba entstanden, das Tempo im 4/4 Takt liegt zwischen 120-128 BPM.
Als Erfinder dieses Tanzes gilt der kubanische Musiker Enrique Jorrin, der durch die Entfernung der Synkopierungen des Mambo diesen Tanz für das Publikum und die Tänzer zugänglicher gemacht hat.
Mit ein Grund für die große Beliebtheit des Cha-Cha-Cha ist sicherlich die Tatsache, dass man ihn eigentlich zu jedem Popsong (im richtigen Tempo!) tanzen kann. Jedoch möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass meiner Meinung nach die Charakteristik des Tanzes Cha-Cha-Cha durch authentische, lateinamerikanische Musik am besten spürbar wird.

Folgende Songs (und zahllose andere) sind hervorragend in diesem Stil tanzbar:
Viele Songs von Carlos Santana z.b. Smooth, Oye Como Va, Black Magic Woman, etc.
Der zeitlose Klassiker Sway von Dean Martin aus den 50er Jahren kam später auch in den Interpretationen von den Pussycat Dolls bzw. Michael Buble wieder in die Charts. Auch bei einem Tanzabend mit A-live darf diese Nummer nicht fehlen, hören Sie hier unsere Version.


Rumba

Die Rumba ist eigentlich ein Sammelbegriff für viele Tanzformen auf Kuba. Besonders heikel ist die Differenzierung zwischen dem Tanz Rumba versus der kubanischen Musikrichtung. Die Unterschiede hier im Detail auszuführen würde jedoch den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen... nur kurz erwähnt wäre die Tatsache dass was die Kubaner als "Bolero" bezeichnen dem Lateintanz Rumba musikalisch am nähesten kommt. Jedoch denken wir als Europäer bei "Bolero" natürlich an das Werk von Ravel, was wiederum nichts mit dem Tanz zu tun hat...
Die Rumba ist meistens im 4/4 Takt, mit einem Tempo von 100-104 BPM. Auch ein höheres Tempo bis ca. 110 BPM ist sehr gut als "Square-Rumba" (Anfänger-Version der Rumba) tanzbar.
In der Tanzschule erkennt man sehr schnell eine sehr große Ähnlichkeit mit den Schrittfolgen des Cha-Cha-Cha. Auch bei diesem Tanz tanzt man als Fortgeschrittener im Takt erst auf die 2 nach vorn (bzw. die Dame nach hinten), was am Anfang oft für kleine Schwierigkeiten beim Tanzschüler sorgt.
Wie auch beim Cha-Cha-Cha vorher erwähnt, eignet sich die kubanische Musik besonders gut zum Tanzen, wenn auch natürlich viele Balladen im Rumba-Tempo sehr schön als Rumba getanzt werden können..

Sehr bekannte Klassiker, die fast jedermann kennt sind beispielsweise Besame Mucho oder auch Somethin' Stupid, hier in unserer Interpretation. Von den Charts der letzten Jahre hat sich auch der Song Marvin Gaye von Charlie Puth als eine schön tanzbare Rumba bewährt und in vielen Tanz-Playlists etabliert - natürlich haben wir dieses Lied ebenfalls in unser Stammrepertoire aufgenommen!



Samba

Samba

Die Samba verbindet man wohl intuitiv mit dem Karneval in Rio de Janeiro. Die Lebensfreude der Sambatänzerinnen findet sich auch in einer für den Ballroom "domestizierten" Variante wieder.
Das Tempo von 100-104 BPM ist deutlich langsamer als das brasilianische Original und ist den komplizierten Figuren und dem schönen Austanzen geschuldet - charakteristisch auch der sogenannte "Bounce" des Tanzpaares.

Von der Musik her gibt es hier in der Popmusik wieder einige passende Lieder, wobei hier jedoch im Gegensatz zu Cha-Cha-Cha und Rumba aufgrund der erforderlichen musikalischen Charakteristik die Auswahl etwas geringer ist.
Am besten eignen sich Klassiker wie Brazil oder Mas Que Nada, hier in unserer Interpretation. Aus dem Repertoire der 80er Jahre bieten sich bekannte Lieder wie Half A Minute oder All Night Long als passende Samba-Tanzmusik an.
Die weitverbreitete Meinung, dass jeder Popsong mit einem schweren Bassdrum-Beat auf 1 und 3 als Samba geeignet ist, kann ich persönlich nicht teilen, da gerade die sehr besondere Polyrhythmik im Schlagzeugpattern dieses Tanzes das Flair dieses Tanzes ausmacht.


Jive

Der schnellste Lateintanz mit der größten Bandbreite im Tempo ist wohl der Jive. Für Turniere und gute Amateurtänzer hat sich ein Tempo von 176 BPM durchgesetzt. Im Tanzschulbereich wird jedoch gerne auch eine langsamere Geschwindigkeit von 128 BPM verwendet - es ergibt sich dadurch eine Überschneidung mit dem Lindy Hop bzw. Westcoast Swing.
Die klassische Jive-Musik kommt aus dem Bereich des Boogie und Rock'n Roll, gute Beispiele sind Reet Petite oder Choo Choo Ch'Boogie.

Prinzipiell hat die herkömmliche Jivemusik vor allem einen ternären Rhythmus, in den letzten Jahren werden auch gerne Popsongs mit binärem Rhythmus zum Tanzen verwendet. Der Grund liegt darin, dass gute Jive-Tanzpaare den Schrittrhythmus des "Wech-sel-schritt" sehr stark überhöht tanzen, um ihn deutlicher darzustellen. Wenn man jetzt also einen triolischen Rhythmus sehr akzentuiert tanzt, ist in einem hohen Tempo der Unterschied zu einem punktierten Rhythmus quasi nicht mehr erkennbar.
Deswegen sind auch Songs wie beispielsweise Take On Me aufgrund des sehr prägnanten Beats sehr schön als Jive tanzbar.


Paso Doble

Der Paso Doble ist ein spanischer Tanz im 2/4 Takt, der jedoch den lateinamerikanischen Tänzen zugeordnet wird. Er wird als die tänzerische Interpretation eines Stierkampfes verstanden, wobei die Dame je nach Auffassung das rote Tuch, eine Flamencotänzerin oder den Schatten des Toreros darstellen soll. Charakteristisch ist das regelmässige Aufstampfen des Fußes alle paar Takte auf die 1.

Paso Doble Tanzpaar Das marschähnliche Schreiten des Tanzpaares über das Parkett bedingt musikalisch einen sehr klaren Rhythmus mit einer Betonung auf den ersten Schlag. Von der Musik her wird bei Turnieren fast immer der Klassiker Espana Cani verwendet. Auch andere Songs mit Flamenco-Flair und klarem Rhythmus in einem Tempo zwischen 116-124 BPM eignen sich sehr gut, wie z.b. Don't Let Me Be Misunderstood in der Version von Santa Esmiralda.


Gerd Henkel


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